Kredit trotz Privatinsolvenz: Was in der Wohlverhaltensphase geht
Sie stecken in der Privatinsolvenz und brauchen trotzdem Geld für Waschmaschine, Kaution oder eine Reparatur. Seriöse Banken lehnen in der Wohlverhaltensphase ab. Unseriöse Portale locken mit Vorkosten und liefern oft keinen Kredit.
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Seriöse Banken geben in der Wohlverhaltensphase keinen Ratenkredit. Der Insolvenzeintrag steht als Hartmerkmal bei der SCHUFA. Ihr pfändbares Einkommen geht an den Treuhänder. Zusätzliche Raten passen in diese Lage nicht. Wer trotzdem "Kredit trotz Privatinsolvenz" sucht, landet oft bei Vermittlern mit Vorkosten. Die liefern selten Geld und kosten Sie trotzdem.
Warum Banken in der Wohlverhaltensphase ablehnen
Nach Eröffnung des Verfahrens beginnt die Abtretungsfrist. Für Anträge ab dem 1. Oktober 2020 beträgt sie drei Jahre, siehe § 287 Abs. 2 InsO; bei einer erneuten Restschuldbefreiung nach einem solchen Antrag sind es fünf Jahre. In dieser Zeit geht der pfändbare Teil Ihres Einkommens an den Insolvenzverwalter und später an den Treuhänder. Die eigentliche Wohlverhaltensphase mit den Obliegenheiten aus § 295 InsO läuft vom Ende des Insolvenzverfahrens bis zum Ende der Abtretungsfrist. Details zum Ablauf stehen im Ratgeber Privatinsolvenz.
Banken prüfen die Kreditwürdigkeit. Ein laufendes Insolvenzverfahren und die Abtretung gelten als hohes Ausfallrisiko. Ein Dispo wird in dieser Phase meist gestrichen. Ein Basiskonto auf Guthabenbasis bleibt möglich, dazu der Ratgeber Basiskonto trotz SCHUFA.
Dazu kommt die Obliegenheit aus § 295 Satz 1 Nr. 5 InsO: Sie dürfen keine unangemessenen Verbindlichkeiten begründen. Unangemessen ist eine Schuld vor allem, wenn Sie sie erkennbar nicht bedienen können. Ein Gläubiger kann dann die Versagung der Restschuldbefreiung beantragen, § 296 InsO. Die Versagung trifft Sie; der Vermittler trägt dieses Risiko nicht.
Was vom Netto wirklich übrig bleibt
Der Treuhänder bekommt nur den pfändbaren Teil. Den unpfändbaren Teil behalten Sie. Seit dem 1. Juli 2026 gilt in der Pfändungstabelle ein Grundfreibetrag von 1.587,40 Euro. Die erste Unterhaltspflicht erhöht den Freibetrag um 597,42 Euro, jede weitere um 332,83 Euro. Vom Mehrbetrag sind je nach Zahl der Unterhaltspflichten 70, 50, 40, 30, 20 oder 10 Prozent pfändbar. Vor der Rechnung wird das Netto auf volle 10 Euro abgerundet. Auf dem P-Konto liegen seit dem 1. Juli 2026 automatisch 1.590 Euro Schutz. Den genauen Betrag zeigt der Pfändungsrechner.
Ein Beispiel: Sie verdienen netto 2.380 Euro und zahlen Unterhalt für ein Kind. Abgerundet bleiben 2.380 Euro. Freibetrag: 1.587,40 Euro plus 597,42 Euro, also 2.184,82 Euro. Mehrbetrag: 195,18 Euro. Davon sind bei einer Unterhaltspflicht 50 Prozent pfändbar, also 97,59 Euro. Ihnen bleiben 2.282,41 Euro. Eine zusätzliche Kreditrate von 80 Euro würde diesen Spielraum oft aufzehren. Ohne Kind wären bei gleichem Netto 554,82 Euro pfändbar. Dann blieben nur 1.825,18 Euro. Eine neue Rate belastet die Gläubiger und Ihre Haushaltskasse zugleich.
Unseriöse Angebote mit Vorkosten erkennen
Die Verbraucherzentrale und die BaFin warnen seit Jahren vor Portalen, die Kredite "ohne SCHUFA" oder "trotz Insolvenz" versprechen. Typische Muster:
- Sie sollen vor der Auszahlung Gebühren, "Bearbeitung" oder eine "Versicherung" zahlen.
- Unterlagen kommen per Nachnahme und entpuppen sich als Prepaid-Karte oder Abo.
- Es gibt kein Impressum, nur eine ausländische Adresse oder keine erreichbare Telefonnummer.
- Der Vertrag heißt "Finanzsanierung", obwohl die Werbung von einem Kredit sprach.
Nach § 655c BGB entsteht die Vermittlungsvergütung erst, wenn das Darlehen an Sie ausgezahlt wurde und ein Widerruf nach § 355 BGB nicht mehr möglich ist. § 655d BGB erlaubt daneben nur vereinbarte Beratungsentgelte und erforderliche Auslagen in der zuvor mitgeteilten Höhe. Ein Vorschuss für die bloße Chance auf einen Kredit ist damit kein seriöses Modell. Zahlen Sie nichts im Voraus. Nehmen Sie keine Nachnahmesendung an.
Ein Beispiel für die Kostenfalle: 299 Euro "Vermittlungsgebühr", 79 Euro Nachnahme und sechs Monate Abo zu 49 Euro ergeben 672 Euro. Oft ohne einen einzigen Euro Kredit. Bleibt eine Rechnung, widersprechen Sie schriftlich und lassen Sie die Forderung prüfen. Formulierungen finden Sie bei den Musterbriefen.
Kurztext zum Übernehmen an den Absender: "Ich widerrufe den Vertrag und lehne die Forderung ab. Eine Vermittlungsvergütung ist nach § 655c BGB erst nach Auszahlung des Darlehens fällig. Bitte senden Sie mir eine Stornobestätigung."
Welche Alternativen zum Kredit realistisch sind
Prüfen Sie zuerst, ob der Bedarf wirklich ein Kredit sein muss. Häufige Wege:
- Jobcenter-Darlehen bei unabweisbarem Bedarf nach § 24 Abs. 1 SGB II, zum Beispiel für eine kaputte Waschmaschine oder drohende Stromsperre. Das Darlehen ist zinslos. Während des Leistungsbezugs tilgt das Jobcenter es nach § 42a Abs. 2 SGB II mit monatlich 5 Prozent des maßgebenden Regelbedarfs; bei Regelbedarfsstufe 1 (563 Euro in 2026) sind das 28,15 Euro. Mehr dazu im Ratgeber Darlehen vom Jobcenter.
- Mietkaution oder Genossenschaftsanteile als Darlehen nach § 22 Abs. 6 SGB II, wenn das Jobcenter vorher zusichert.
- Ratenzahlung direkt beim Händler, Vermieter oder Versorger. Viele akzeptieren kleine Raten, wenn Sie früh schreiben. Vorlage: Ratenzahlung vereinbaren.
- Fixkosten streichen und mit der 50/30/20-Regel den Monat neu planen, bevor neue Schulden entstehen. Konkrete Kündigungswege: Fixkosten senken.
- Kostenlose, anerkannte Schuldnerberatung. Sie prüft, ob ein Kredit die Restschuldbefreiung gefährdet, und kennt örtliche Hilfen.
Wer wenig Einkommen hat, kann beim Amtsgericht Beratungshilfe beantragen. Mit dem Beratungshilfeschein übernimmt die Staatskasse einen großen Teil der Anwaltskosten für die außergerichtliche Beratung. Bringen Sie Bescheide, Kontoauszüge und den Insolvenzbeschluss mit.
Familie oder Freunde als zinsloses Darlehen nur schriftlich und nur in einer Höhe, die Sie aus dem unpfändbaren Teil sicher zurückzahlen. Informieren Sie den Treuhänder, bevor Sie unterschreiben.
So beantragen Sie ein Jobcenter-Darlehen
Stellen Sie einen gesonderten Antrag. Legen Sie Kostenvoranschläge oder Angebote bei. Das Jobcenter prüft, ob der Bedarf unabweisbar ist und ob Vermögen oder Gebrauchtgeräte ausreichen. Es kann auch einen Gutschein statt Geld geben. Bei Mietkaution brauchen Sie die Zusicherung vor der Anmietung. Zahlen Sie die Kaution selbst und beantragen Sie erst danach, wird die Übernahme oft abgelehnt.
Fehlt Geld für Essen oder Strom, greifen Soforthilfen oft schneller als jeder Kredit. Adressen und Anträge stehen im Ratgeber Kein Geld für Essen.
Was Sie dem Treuhänder schreiben können
Kurztext zum Übernehmen: "Ich plane eine Verbindlichkeit über [Betrag] Euro für [Zweck]. Die monatliche Belastung wäre etwa [Rate] Euro aus meinem unpfändbaren Einkommen. Bitte teilen Sie mir mit, ob Sie diese Verbindlichkeit für unangemessen halten und ob ich sie dem Insolvenzgericht anzeigen muss."
Bewahren Sie die Antwort auf. Fehlt eine klare Freigabe, lassen Sie die Hand weg vom Vertrag.
Typische Fehler, die teuer werden
Mehrere Kreditanfragen in kurzer Zeit erzeugen SCHUFA-Merkmale. Jede harte Anfrage kann den Score belasten. Nutzen Sie Vergleichsrechner erst nach der Restschuldbefreiung und achten Sie auf Konditionsanfragen ohne Speicherung.
Ein zweiter Kreditnehmer oder Bürge verlagert das Risiko. Die Bank holt sich das Geld bei der anderen Person. Das rettet Ihre Obliegenheiten nicht, wenn die Rate für Sie unangemessen war.
Wer während der Wohlverhaltensphase Bargeld aufnimmt und es dem Treuhänder verschweigt, verletzt Auskunftspflichten nach § 295 Satz 1 Nr. 3 InsO. Das kann die Restschuldbefreiung kosten. Dasselbe gilt, wenn Sie einem alten Insolvenzgläubiger heimlich Sonderzahlungen leisten.
Viele Betroffene kaufen auf Rechnung oder per Buy-now-pay-later, weil der Bankkredit fehlt. Die Raten stapeln sich dann neben dem pfändbaren Abzug. Prüfen Sie vor jedem Ratenkauf, ob die Summe aus unpfändbarem Rest wirklich tragbar ist.
Gewerbliche "Finanzsanierer" verkaufen oft teure Verträge ohne echten Kredit. Anerkannte Beratungsstellen nach § 305 InsO arbeiten kostenlos oder gegen geringe Eigenbeteiligung. Fragen Sie nach der Anerkennung durch das Insolvenzgericht.
Nach der Restschuldbefreiung: wann Kredit wieder geht
Das Insolvenzgericht entscheidet nach Ablauf der Abtretungsfrist über die Restschuldbefreiung, § 300 InsO. Die SCHUFA speichert die Erteilung sechs Monate und löscht sie dann automatisch. Mit dem Eintrag verschwinden auch die erfassten Forderungen. Details: Nach der Restschuldbefreiung.
Fordern Sie etwa sieben Monate nach dem Beschluss eine kostenlose Datenkopie nach Art. 15 DSGVO an. Steht der Eintrag noch, verlangen Sie die Löschung schriftlich und legen Sie den Beschluss bei. Ein kleiner Dispo oder ein Ratenkredit von wenigen hundert Euro wird dann erst wieder denkbar. Banken wollen oft ein stabiles Konto über mehrere Monate ohne Rücklastschriften sehen.
Bis dahin sind Ratenzahlung, Sozialdarlehen und ein sauber geführtes Basiskonto der realistische Weg. Ein Ratenkredit-Vergleich lohnt erst, wenn der Insolvenzeintrag weg ist. Dann hilft der Ratgeber Ratenkredit vergleichen.
So gehen Sie heute vor
- Schreiben Sie auf, wofür Sie das Geld brauchen und welcher Betrag wirklich fehlt.
- Prüfen Sie Jobcenter, Sozialamt, Ratenzahlung und Beratung, bevor Sie "Kredit trotz Insolvenz" googeln.
- Lehnen Sie jedes Angebot mit Vorkasse, Nachnahme oder Prepaid-Karte ab.
- Fragen Sie Ihren Treuhänder schriftlich, bevor Sie eine neue Verbindlichkeit eingehen.
- Lassen Sie sich bei einer anerkannten Schuldnerberatungsstelle beraten. Die Adressen vermittelt auch die Verbraucherzentrale.
- Notieren Sie das voraussichtliche Ende der Abtretungsfrist und den Termin für die SCHUFA-Datenkopie sechs bis sieben Monate nach der Restschuldbefreiung.
Diese Reihenfolge spart oft mehrere hundert Euro an Vermittlerkosten und schützt die Chance auf die Restschuldbefreiung.
Quellen
- § 287 InsO, Abtretungsfrist
- § 295 InsO, Obliegenheiten des Schuldners
- § 655c BGB, Vergütung des Darlehensvermittlers
- § 42a SGB II, Tilgung von Jobcenter-Darlehen
- Pfändungsfreigrenzenbekanntmachung 2026
- BMJ: Pfändungsfreigrenzen ab 1. Juli 2026
- SCHUFA: Speicherfristen Restschuldbefreiung
- BaFin: Praktiken unseriöser Kreditvermittler
- Verbraucherzentrale: Unseriöse Kredite erkennen
- Bundesagentur für Arbeit: Darlehen bei unabweisbarem Bedarf
Häufige Fragen
Kann ich in der Wohlverhaltensphase einen Kredit bekommen?
Rechtlich ist ein Kredit nicht verboten. Seriöse Banken lehnen aber praktisch immer ab, solange der Insolvenzeintrag bei der SCHUFA steht und pfändbares Einkommen an den Treuhänder geht.
Wann bekomme ich nach der Privatinsolvenz wieder einen Kredit?
Realistisch wird ein Bankkredit erst, nachdem die SCHUFA die Restschuldbefreiung gelöscht hat. Das geschieht sechs Monate nach Erteilung. Danach braucht die Bank oft noch monatelange positive Kontodaten.
Sind Vorkosten für eine Kreditvermittlung erlaubt?
Die Vermittlungsvergütung wird nach § 655c BGB erst fällig, wenn das Darlehen ausgezahlt ist und Ihr Widerrufsrecht endet. Wer vorher Geld verlangt, ist in der Regel unseriös.