Schulden & Inkasso

Kostenlose Schuldnerberatung finden und unseriöse Angebote erkennen

Gute Schuldnerberatung kostet für die meisten Menschen nichts. Teuer wird es meist dann, wenn man im Internet an den falschen Anbieter gerät.

Von Redaktion Geldproblematiken · · 3 Min. Lesezeit

Inhalt
  1. Wo es kostenlose Beratung gibt
  2. Online-Beratung als Alternative
  3. Was Sie zum ersten Termin mitbringen
  4. Woran Sie unseriöse Angebote erkennen
  5. Was die Beratung für Sie tun kann
  6. Bis zum Termin
  7. Quellen

Eine gute Schuldnerberatung sortiert Ihre Unterlagen, prüft jede Forderung, verhandelt mit Gläubigern und begleitet Sie, wenn nötig, durch die Privatinsolvenz. Sie kann außerdem die Bescheinigung für einen höheren Freibetrag auf dem P-Konto ausstellen. Das alles bekommen die meisten Menschen in Deutschland kostenlos.

Wo es kostenlose Beratung gibt

Die Schuldnerberatung in Deutschland wird überwiegend von gemeinnützigen Trägern angeboten und von Ländern und Kommunen finanziert. Typische Anlaufstellen sind:

  • die Wohlfahrtsverbände Caritas, Diakonie, Arbeiterwohlfahrt (AWO), Deutsches Rotes Kreuz und Paritätischer,
  • Schuldnerberatungen von Städten und Landkreisen,
  • die Verbraucherzentralen, je nach Bundesland mit oder ohne Gebühr.

Eine Suche nach Beratungsstellen in Ihrer Nähe bietet die Bundesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung auf meine-schulden.de. Auch Ihre Stadtverwaltung oder das Jobcenter nennt Ihnen die nächste Stelle.

Wenn Sie Leistungen vom Jobcenter bekommen (Bürgergeld bzw. Grundsicherung für Arbeitsuchende), kann das Jobcenter die Schuldnerberatung als Leistung zur Eingliederung übernehmen. Fragen Sie Ihren Ansprechpartner danach.

Online-Beratung als Alternative

Wer lange warten müsste oder sich nicht traut, vor Ort hinzugehen, kann mit einer Online-Beratung anfangen. Die Caritas und andere Verbände bieten anonyme Beratung per Nachricht an. Für eine Privatinsolvenz brauchen Sie aber später meist eine Stelle, die als geeignet anerkannt ist und den außergerichtlichen Einigungsversuch bescheinigen darf.

Was Sie zum ersten Termin mitbringen

Je vollständiger Ihre Unterlagen sind, desto schneller geht es. Bringen Sie mit, was Sie haben:

  • alle Mahnungen, Inkassoschreiben, Mahn- und Vollstreckungsbescheide,
  • Kreditverträge und Kontoauszüge der letzten drei Monate,
  • Lohnabrechnungen oder Leistungsbescheide,
  • Mietvertrag und aktuelle Nebenkostenabrechnung,
  • eine Liste der monatlichen Ausgaben, falls Sie schon ein Haushaltsbuch führen.

Ungeöffnete Briefe dürfen Sie ruhig ungeöffnet mitbringen. Beraterinnen und Berater kennen das.

Woran Sie unseriöse Angebote erkennen

Wer "Schulden" googelt, findet zuerst Werbung von Firmen, die sich Schuldnerhilfe, Schuldenregulierung oder Entschuldungsservice nennen. Manche davon arbeiten ordentlich. Viele verdienen aber vor allem an Menschen in Not. Achten Sie auf diese Warnzeichen:

  • Gebühren vor der ersten Leistung oder hohe monatliche Pauschalen,
  • Sie sollen Ihr Geld an die Firma überweisen statt an die Gläubiger, ohne Treuhandkonto und ohne Abrechnung,
  • Versprechen wie "schuldenfrei in 12 Monaten" ohne Blick in Ihre Unterlagen,
  • Kopplung an einen neuen Kredit oder eine Versicherung,
  • keine Anerkennung als geeignete Stelle nach § 305 der Insolvenzordnung.

Anwälte dürfen für die Schuldenbereinigung Geld verlangen. Wenn Sie wenig verdienen, können Sie beim Amtsgericht einen Beratungshilfeschein beantragen. Dann zahlen Sie höchstens eine kleine Eigenbeteiligung.

Was die Beratung für Sie tun kann

Am Anfang steht fast immer eine Bestandsaufnahme: Welche Schulden gibt es wirklich, welche sind verjährt oder überhöht, wie viel Geld bleibt Ihnen zum Leben? Danach entwickelt die Beratung mit Ihnen einen Weg. Das kann eine Ratenvereinbarung sein, ein Vergleich, bei dem Gläubiger auf einen Teil verzichten, oder der Antrag auf Privatinsolvenz.

Parallel kümmern sich viele Stellen um die akuten Probleme, etwa eine drohende Stromsperre oder Mietschulden, und helfen beim Antrag auf Sozialleistungen.

Bis zum Termin

Auch wenn die Wartezeit lang ist, können Sie schon handeln. Öffnen Sie die Post, notieren Sie Fristen und reagieren Sie auf Schreiben vom Gericht. Wie das geht, erklärt unser Plan in sieben Schritten. Bei einem Mahnbescheid läuft die Frist von zwei Wochen auch dann, wenn Sie noch auf Ihren Beratungstermin warten.

Quellen

Häufige Fragen

Ist Schuldnerberatung wirklich kostenlos?

Bei Wohlfahrtsverbänden wie Caritas, Diakonie, AWO oder DRK und bei kommunalen Stellen ist die Beratung für Ratsuchende fast immer kostenlos. Einige Verbraucherzentralen nehmen von Berufstätigen mit höherem Einkommen eine Gebühr. Fragen Sie beim ersten Anruf nach.

Wie lange muss ich auf einen Termin warten?

Das ist regional sehr unterschiedlich, von wenigen Tagen bis zu mehreren Monaten. Bei akuten Notlagen wie einer Kontopfändung oder drohender Räumung bieten viele Stellen eine Krisensprechstunde an.

Darf eine Schuldnerberatung Geld vorab verlangen?

Anerkannte gemeinnützige Stellen verlangen keine Vorkasse. Wenn ein Anbieter vor dem ersten Gespräch Gebühren will oder Sie Ihr Geld monatlich an ihn statt an die Gläubiger überweisen sollen, ohne dass klar ist, wofür, sollten Sie misstrauisch werden.