Schulden loswerden: ein Plan in 7 Schritten, der wirklich funktioniert
Wer Schulden hat, fühlt sich oft wie gelähmt. Mit einer festen Reihenfolge wird das Problem kleiner, als es sich anfühlt. Hier ist sie.
Inhalt
- Schritt 1: Alle Briefe öffnen und sortieren
- Schritt 2: Die eigene Existenz absichern
- Schritt 3: Einnahmen und Ausgaben ehrlich aufschreiben
- Schritt 4: Schulden nach Gefahr ordnen
- Schritt 5: Forderungen prüfen
- Schritt 6: Teure Schulden zusammenfassen oder Raten verhandeln
- Schritt 7: Professionelle Hilfe holen, wenn es nicht reicht
- Was Sie vermeiden sollten
- So geht es weiter
- Quellen
Schulden verschwinden nicht, wenn man die Briefe ungeöffnet in die Schublade legt. Sie werden durch Mahngebühren, Zinsen und Inkassokosten sogar größer. Die gute Nachricht: In Deutschland gibt es für fast jede Schuldensituation einen geregelten Ausweg, und vieles davon kostet Sie nichts außer etwas Zeit.
Die folgenden sieben Schritte sind so geordnet, wie Schuldnerberatungsstellen auch vorgehen. Halten Sie sich an die Reihenfolge. Wer zuerst den lautesten Gläubiger bedient, zahlt oft an der falschen Stelle.
Schritt 1: Alle Briefe öffnen und sortieren
Nehmen Sie sich einen Abend und öffnen Sie jeden Umschlag. Sortieren Sie die Schreiben nach Gläubiger und legen Sie für jeden einen Stapel oder eine Klarsichthülle an. Notieren Sie auf einem Blatt:
- wer Geld will (der ursprüngliche Gläubiger und gegebenenfalls das Inkassobüro),
- wie hoch die Hauptforderung ist und wie viel davon Zinsen und Gebühren sind,
- ob ein Gericht beteiligt ist (Mahnbescheid, Vollstreckungsbescheid, Urteil),
- welche Fristen laufen.
Fristen von Gerichten haben Vorrang vor allem anderen. Gegen einen Mahnbescheid können Sie zwei Wochen lang Widerspruch einlegen. Was dann zu tun ist, steht in unserem Ratgeber zu Mahnung, Mahnbescheid und Inkasso.
Schritt 2: Die eigene Existenz absichern
Bevor Sie einen einzigen Euro an Gläubiger überweisen, sichern Sie das, was Sie zum Leben brauchen. Dazu gehört zuerst Ihr Girokonto. Wandeln Sie es in ein Pfändungsschutzkonto (P-Konto) um, wenn eine Pfändung droht oder schon läuft. Die Bank muss das innerhalb von vier Geschäftstagen erledigen, und ein Grundfreibetrag ist danach automatisch geschützt.
Prüfen Sie außerdem, ob Ihnen Leistungen zustehen, die Sie bisher nicht beantragt haben: Wohngeld, Kinderzuschlag oder ergänzende Grundsicherung. Viele Haushalte mit kleinem Einkommen verschenken hier jeden Monat Geld.
Schritt 3: Einnahmen und Ausgaben ehrlich aufschreiben
Sie brauchen eine Zahl: Wie viel Geld bleibt Ihnen am Monatsende, nachdem Miete, Strom, Versicherungen, Lebensmittel und Fahrtkosten bezahlt sind? Nur dieser Betrag steht für Schulden zur Verfügung.
Schreiben Sie einen Monat lang jede Ausgabe auf. Am einfachsten geht das mit einem Haushaltsbuch, egal ob auf Papier oder in einer App. Viele Menschen unterschätzen ihre kleinen Ausgaben um mehrere Hundert Euro im Monat.
Schritt 4: Schulden nach Gefahr ordnen
Schuldnerberater unterscheiden zwischen vorrangigen und nachrangigen Schulden. Vorrangig sind Forderungen, bei denen Ihnen sonst etwas Existenzielles verloren geht:
| Rangfolge | Art der Schuld | Was sonst droht |
|---|---|---|
| 1 | Miete und Nebenkosten | Kündigung, Räumung |
| 2 | Strom und Gas | Energiesperre |
| 3 | Krankenversicherung | eingeschränkte Leistungen |
| 4 | Geldstrafen | Ersatzfreiheitsstrafe |
| 5 | Unterhalt | Strafverfahren möglich |
| 6 | Kredite, Dispo, Kreditkarte | Kündigung, SCHUFA-Eintrag |
| 7 | Versandhandel, Handy, Inkasso | Mahnverfahren |
Die ersten fünf Punkte bedienen Sie zuerst, notfalls mit Minimalraten. Wie man eine drohende Stromsperre oder eine Kündigung wegen Mietschulden abwendet, erklären wir in eigenen Ratgebern.
Schritt 5: Forderungen prüfen
Nicht jede Forderung ist berechtigt, und nicht jede ist in voller Höhe berechtigt. Prüfen Sie vor allem:
- Ist die Forderung verjährt? Die regelmäßige Verjährungsfrist beträgt drei Jahre und beginnt am Ende des Jahres, in dem die Forderung entstanden ist. Gerichtlich festgestellte Forderungen verjähren dagegen erst nach 30 Jahren.
- Sind die Inkassokosten angemessen? Sie sind gesetzlich begrenzt und dürfen nicht höher sein als die Gebühren, die ein Anwalt verlangen dürfte.
- Wurden Zahlungen richtig verrechnet?
Verjährte Forderungen müssen Sie nicht bezahlen, Sie müssen sich aber auf die Verjährung berufen. Unterschreiben Sie vorher kein Schuldanerkenntnis, denn damit beginnt die Frist neu.
Schritt 6: Teure Schulden zusammenfassen oder Raten verhandeln
Wenn Sie ein regelmäßiges Einkommen haben, lohnt sich manchmal eine Umschuldung. Ein Ratenkredit kostet meist deutlich weniger Zinsen als ein Dispo. Wie das geht und wann es keine gute Idee ist, steht im Ratgeber Dispokredit ablösen und in unserem Text zur Umschuldung.
Reicht das Geld nicht für alle Raten, schreiben Sie den Gläubigern. Ein kurzer Brief genügt: Sie erkennen die Forderung an (nur wenn sie berechtigt ist), schildern knapp Ihre Lage und bieten eine konkrete Rate an. Eine Rate, die Sie zwei Jahre lang durchhalten, ist mehr wert als eine hohe Rate, die nach drei Monaten platzt.
Schritt 7: Professionelle Hilfe holen, wenn es nicht reicht
Wenn Ihr freies Einkommen nicht reicht, um die Schulden in absehbarer Zeit abzuzahlen, brauchen Sie eine Schuldnerberatung. Die Beratung bei Caritas, Diakonie, AWO, Verbraucherzentralen oder kommunalen Stellen ist für die meisten Ratsuchenden kostenlos. Wie Sie seriöse Angebote von teuren Schuldenregulierern unterscheiden, lesen Sie in Kostenlose Schuldnerberatung finden.
Die Beratungsstelle kann mit Ihren Gläubigern einen außergerichtlichen Vergleich verhandeln. Klappt das nicht, bleibt die Privatinsolvenz. Nach drei Jahren sind Sie dann in der Regel von den restlichen Schulden befreit.
Was Sie vermeiden sollten
Ein paar Fehler machen Schulden fast immer teurer:
- Kredite "ohne SCHUFA" mit Vorkosten. Seriöse Banken verlangen nie Gebühren, bevor der Kredit ausgezahlt wird.
- Neue Ratenkäufe, um alte Rechnungen zu bezahlen.
- Geld von Bekannten leihen, ohne einen Rückzahlungsplan zu haben.
- Schreiben vom Gericht liegen lassen. Wer eine Frist verpasst, kann sich später kaum noch wehren.
So geht es weiter
Wenn Sie heute nur eine Sache tun wollen, öffnen Sie alle Briefe und schreiben Sie die Fristen auf. Für morgen steht dann das P-Konto auf dem Plan, falls Ihr Konto gefährdet ist. Alles andere kann warten, bis Sie wissen, wie viel Geld Ihnen jeden Monat wirklich bleibt.
Quellen
Häufige Fragen
Welche Schulden sollte ich zuerst bezahlen?
Zuerst die Schulden, bei denen Sie sonst Wohnung, Strom, Versicherungsschutz oder Freiheit verlieren können: Miete, Energie, Krankenversicherung und Geldstrafen. Danach Forderungen mit hohen Zinsen wie Dispo und Kreditkarte. Inkasso- und Versandhandelsforderungen kommen erst danach.
Kann ich mit Gläubigern über eine Ratenzahlung verhandeln?
Ja. Die meisten Gläubiger akzeptieren eine realistische Rate lieber als einen teuren Vollstreckungsversuch. Bieten Sie schriftlich eine Rate an, die Sie wirklich dauerhaft zahlen können, und bitten Sie um eine schriftliche Bestätigung.
Wie lange dauert es, schuldenfrei zu werden?
Das hängt von Höhe der Schulden und Ihrem freien Einkommen ab. Mit einer Privatinsolvenz sind Sie in der Regel nach drei Jahren von den restlichen Schulden befreit. Ohne Insolvenz ergibt sich die Dauer aus Schuldenhöhe geteilt durch die monatliche Rate.