Schulden & Inkasso

Vollstreckungsbescheid erhalten: Einspruch, Fristen und Folgen

Der Vollstreckungsbescheid ist die letzte Stufe des gerichtlichen Mahnverfahrens. Mit ihm kann der Gläubiger pfänden lassen. Sie haben aber noch zwei Wochen Zeit, um Einspruch einzulegen.

Von Matteo Oberhauser · Zuletzt geprüft am · 4 Min. Lesezeit

Inhalt
  1. Was der Vollstreckungsbescheid bedeutet
  2. Einspruch einlegen: zwei Wochen ab Zustellung
  3. Was nach dem Einspruch passiert
  4. Wann sich ein Einspruch lohnt und wann nicht
  5. Konto und Lohn jetzt schützen
  6. Frist verpasst: Was jetzt noch geht
  7. Quellen

Ein Vollstreckungsbescheid kommt wie der Mahnbescheid in einem gelben Umschlag vom Mahngericht. Er entsteht, wenn Sie gegen einen Mahnbescheid keinen Widerspruch eingelegt haben und der Gläubiger danach den nächsten Schritt beantragt. Ab jetzt hat der Gläubiger einen sogenannten Vollstreckungstitel. Er kann damit den Gerichtsvollzieher beauftragen, Ihr Konto pfänden oder Ihren Lohn pfänden lassen.

Was der Vollstreckungsbescheid bedeutet

Der Bescheid hat dieselbe Wirkung wie ein Versäumnisurteil. Ein Richter hat die Forderung dabei nicht geprüft. Das Mahngericht schaut nur, ob die Angaben formal stimmen. Deshalb können auch unberechtigte oder überhöhte Forderungen einen Vollstreckungsbescheid bekommen, wenn niemand widerspricht.

Notieren Sie das Zustelldatum, das auf dem Umschlag steht. Ab diesem Tag läuft die Frist für den Einspruch.

Einspruch einlegen: zwei Wochen ab Zustellung

Sie haben zwei Wochen Zeit. Der Einspruch muss innerhalb dieser Frist beim Gericht eingehen, das den Bescheid erlassen hat. Die Anschrift steht oben auf dem Bescheid. Der Poststempel reicht nicht, für die Frist zählt der Eingang beim Gericht. Rechnen Sie also zwei bis drei Tage für die Post ein.

Anders als beim Mahnbescheid liegt meist kein fertiges Formular bei. Ein formloser Brief reicht aus. Er sollte enthalten:

  • Ihren Namen und Ihre Anschrift,
  • das Geschäftszeichen des Bescheids,
  • den Satz, dass Sie gegen den Vollstreckungsbescheid vom [Datum] Einspruch einlegen,
  • Ihre Unterschrift.

Schicken Sie den Brief per Einwurf-Einschreiben oder per Fax mit Sendebericht. Wenn Sie nur einen Teil der Forderung bestreiten, zum Beispiel überhöhte Inkassokosten, können Sie den Einspruch auf diesen Teil beschränken. Vorlagen für ähnliche Schreiben finden Sie auf unserer Seite mit Musterbriefen.

Was nach dem Einspruch passiert

Das Mahngericht gibt die Sache an das zuständige Amts- oder Landgericht ab. Der Gläubiger muss seine Forderung dann begründen, wie in einer normalen Klage. Sie bekommen Gelegenheit, Stellung zu nehmen. Am Ende entscheidet ein Richter, oder beide Seiten einigen sich in einem Vergleich.

Ein wichtiger Unterschied zum Mahnbescheid: Der Vollstreckungsbescheid bleibt auch nach Ihrem Einspruch vollstreckbar. Der Gläubiger darf also weiter pfänden lassen. Wenn Sie das verhindern wollen, beantragen Sie beim Gericht zusammen mit dem Einspruch die einstweilige Einstellung der Zwangsvollstreckung. Das Gericht prüft dann, ob Ihr Einspruch Aussicht auf Erfolg hat, und verlangt manchmal eine Sicherheitsleistung.

Wann sich ein Einspruch lohnt und wann nicht

Ein Einspruch ist sinnvoll, wenn Sie die Forderung nicht kennen, schon bezahlt haben, die Forderung verjährt ist oder die Kosten deutlich überhöht sind. Prüfen Sie das mit Hilfe unseres Ratgebers Inkasso-Brief prüfen und, wenn es um ältere Schulden geht, mit dem Ratgeber zur Verjährung.

Ist die Forderung dagegen berechtigt, bringt ein Einspruch meist nur zusätzliche Kosten. Dann ist es besser, sofort Kontakt mit dem Gläubiger aufzunehmen und eine Ratenzahlung anzubieten. Viele Gläubiger verzichten auf Pfändungen, solange die Raten pünktlich kommen.

Konto und Lohn jetzt schützen

Mit dem Vollstreckungsbescheid kann der Gläubiger einen Pfändungs- und Überweisungsbeschluss beantragen. Das geht schnell. Wandeln Sie Ihr Girokonto deshalb jetzt in ein P-Konto um, falls noch nicht geschehen. Die Bank muss das innerhalb von vier Geschäftstagen erledigen. Seit dem 1. Juli 2026 sind dann 1.590 Euro im Monat automatisch geschützt.

Wird Ihr Lohn gepfändet, bleibt Ihnen der unpfändbare Teil nach der Pfändungstabelle. Wie viel das ist, zeigt unser Pfändungsrechner.

Frist verpasst: Was jetzt noch geht

Ist die Frist abgelaufen, wird der Vollstreckungsbescheid rechtskräftig. Die Forderung verjährt dann erst nach 30 Jahren. Ganz ohne Möglichkeiten sind Sie trotzdem nicht:

  • Haben Sie die Frist ohne eigenes Verschulden versäumt, etwa wegen eines Krankenhausaufenthalts, können Sie Wiedereinsetzung in den vorigen Stand beantragen. Dafür haben Sie zwei Wochen, nachdem das Hindernis weggefallen ist.
  • Sind nach dem Bescheid Dinge passiert, die die Forderung erledigen, zum Beispiel eine Zahlung, hilft die Vollstreckungsabwehrklage.
  • Wurde der Bescheid nie wirksam zugestellt, etwa weil Sie dort nicht mehr wohnten, läuft die Frist unter Umständen gar nicht. Hier sollten Sie sofort eine Beratungsstelle oder einen Anwalt fragen.

In allen Fällen lohnt sich ein Gespräch mit einer kostenlosen Schuldnerberatung. Sie hilft auch, wenn mehrere Gläubiger gleichzeitig vollstrecken.

Quellen

Häufige Fragen

Wie lange ist ein Vollstreckungsbescheid gültig?

Die titulierte Forderung verjährt erst nach 30 Jahren. Laufende Zinsen, die nach dem Bescheid entstehen, verjähren dagegen nach drei Jahren.

Muss ich den Einspruch begründen?

Nein. Der Einspruch selbst braucht keine Begründung. Im anschließenden Gerichtsverfahren sollten Sie aber erklären, warum Sie die Forderung für unberechtigt halten.

Was kostet ein Einspruch?

Der Einspruch selbst ist kostenlos. Verlieren Sie das anschließende Verfahren, tragen Sie die Gerichtskosten und die Anwaltskosten der Gegenseite. Bei kleinen Beträgen ist das Kostenrisiko überschaubar, bei großen sollten Sie sich beraten lassen.